Kurze Vorstellung des Fatwa-Ausschusses in Deutschland



Alles Lob gebührt Allah, dem Herrn der Welten, und Segen und Heil seien auf den Ehrenwertesten der Gesandten.

In Deutschland leben rund fünf Millionen Muslime, welche ein Leben führen, das seine spezifischen kulturellen, religiösen und rechtlichen Charakteristika aufweist. Ihre Angelegenheiten und Sorgen sind aus Sicht der islamischer Jurisprudenz vielfältig und bedürfen eines gemeinschaftlichen Iǧtihād, welcher von den Grundsätzen der Scharia ausgeht, ihre Zielsetzungen berücksichtigt und den Muslimen in Deutschland die Mittel zum Leben im Lichte ihrer Religion entsprechend der Gesetze des Landes und seiner Bräuche erleichtert. Aus diesem Grunde ist der Fatwa-Ausschuss in Deutschland das erste gemeinschaftliche Fatwa-Gremium, das in beiderlei Sprachen operiert: deutsch und arabisch.
Er ist ein spezialisierter Fiqh-Ausschuss, welcher dem European Council for Fatwa and Research folgt. Durch seine Mitglieder vereint er eine hervorragende Auslese von Gelehrten und Imamen, welche Leute von Erfahrung in der Fatwa und Wissen über die deutsche Realität sind. Dem Ausschuss gehören fünf Berater für die Angelegenheiten an, die mit den rechtlichen, medizinischen, psychologischen, soziologischen sowie ökonomischen Angelegenheiten verbunden sind. Dies, damit der Mufti wissend darüber ist, was mit der dargestellten Sache verbunden ist und welche Konsequenzen seine Fiqh-Wahl hat.

Die Methodik des Ausschusses in der Erteilung der Fatwa beruht auf:


- Die Stärkung des gesellschaftlichen Friedens, des förderlichen Staatsbürgertums, sowie die Verbreitung einer Kultur von Toleranz und eines Miteinanders zwischen allen Menschen.
- Die Förderung und Festigung der Ausgewogenheit und Mäßigung im Islam, sowie die Verwerfung der Übertreibung und des Extremismus auf der einen, der Auflösung und der Degeneration auf der anderen Seite.
- Die Berücksichtigung der Besonderheiten, Bräuche und Gesetze der europäischen Gesellschaften, sowie die Nutzenziehung von sämtlichen anerkannten Rechtsschulen und –Meinungen ohne den Fanatismus für irgendeine von diesen.
- Die geregelte Erleichterung in der Fatwa.
- Die Weiterbildung des Fatwa-Bittstellers, die (Wieder-)Belebung der gemeinschaftlichen Fatwa-Erteilung sowie der institutionalisierten Arbeit.

Die Aktivitäten des Ausschusses:


- Die Antwort auf die schriftlichen Fragestellungen und Rat-Ersuchen der Muslime in Deutschland in den beiden Sprachen deutsch und arabisch.
- Das Organisieren von Fiqh-Seminaren, um den Muslimen den Fiqh der Fatwa vorzustellen und die Fiqh-Urteile in den unter den Muslimen verbreiteten Angelegenheiten darzulegen.
- Das Verfassen von kurz gefassten wissenschaftlichen Forschungsarbeiten über die neuerscheinenden Angelegenheiten der Muslime in Deutschland.
- Die Koordination mit den Fatwa-Gremien auf europäischer Ebene sowie die Abwehr des Chaos in der Fatwa in Deutschland.
Wir freuen uns auf Ihre schriftlichen Fragen und Rat-Ersuchen auf unserer Webseite und unseren Seiten der Sozialen Netzwerke.
 

Mitglieder des Fatwa-Ausschusses


1. Shaykh Dr. Khaled Hanafy, Vorsitzender
2. Shaykh Talal Hady, stellvertretender Vorsitzender
3. Shaykh Mahmoud Abdelaziz, Mitglied
4. Shaykh Abdelaziz Elkhodary, Mitglied
5. Shaykh Mohammed Mansour, Mitglied
6. Shaykh Muhammad Siddiq Borgfeldt, Mitglied
7. Shaykh Nihat Abdulquddus Ciftci, Mitglied

 Kurze Vorstellung des European Council for Fatwa and Research

Erarbeitet von: Šayḫ Hussain Muhammad Halawa

Generalsekretär des Council

 

Name, Art und Sitz des Council:

Der European Council for Fatwa and Research.

Ein islamischer, spezialisierter und unabhängiger Rat, der sich aus einer Gruppe von Gelehrten zusammensetzt.

Der aktuelle Sitz des Council: Republik Irland.

 

Das Gründungstreffen:

Das Gründungstreffen des „European Council for Fatwa and Research“ wurde in London, Grossbritannien vom 21.-22. des Monats Ḏi l-Qaʿda im Jahr 1417 n.H. abgehalten, welches dem 29.-30. des Monats März 1997 entspricht. Dies fand unter der Anwesenheit von mehr als 15 Gelehrten und nach Bittstellung der „Federation of Islamic Organizations in Europe“ darum statt.

 

In diesem Treffen wurde ebenfalls die Gründungssatzung dieses Council verabschiedet.

 

Ziele des Council:

Der European Council for Fatwa and Research strebt an, folgende Ziele zu erreichen:

  1. Eine Annäherung unter den Gelehrten auf europäischer Ebene zu erzielen, sowie daraufhin zu arbeiten, ihre verschiedenen Rechtsmeinungen in den wichtigen Rechtsfragen zu vereinheitlichen.
  2. gemeinschaftliche Fatwas herauszugeben, welche die Bedarfe der Muslime in Europa decken, ihre Probleme löst sowie ihre Interaktion mit den europäischen Gesellschaften im Sinne der Urteile des Islam und seiner Zielsetzungen strukturiert.
  3. Die Publizierung von islamrechtlichen Forschungsarbeiten und Studien, welche die neuaufkommenden Angelegenheiten auf der europäischen Ebene auf die Weise behandeln, sodass durch diese die Zielsetzungen des Islam und die Nutzen der Schöpfung verwirklicht werden.
  4. Im Allgemeinen: Die Weisung der Muslime in Europa. Dies soll durch die Verbreitung des traditionellen Islamverständnisses sowie der authentischen islamischen Rechtsgutachten (Fatwas) erreicht werden.

 

 

Die Mittel zur Erreichung der Ziele:

Der Council bemüht sich darum, seine Ziele durch die Verwendung folgender Mittel zu erreichen:

 

  • Die Gestaltung spezialisierter Ausschüsse unter den Mitgliedern des Council, welche eine entweder zeitlich begrenzte oder unbegrenzte Aufgabe haben. Diese vertraut der Council mit bestimmten Aufgaben an, die dazu verhelfen, die Ziele des Council zu erreichen.
  • Die Stützung auf die anerkannten islamrechtlichen Standardwerke, vor allem auf jene, die sich auf authentischen Beweisen stützen.
  • Der Profit von den Fatwas und Forschungsarbeiten, welche von den anderen Fiqh-Gremien und wissenschaftlichen Institutionen publiziert werden.
  • Die Unternehmung beschleunigter Initiativen gegenüber der offiziellen Stellen in den europäischen Ländern, um die Anerkennung des Council und seiner Hinzuziehung bei der Erfahrung der islamischen Rechtsurteile zu erreichen.
  • Tagungen und Symposien bezüglich des islamischen Rechts zu organisieren, um Gelehrte und Prediger auszubilden.
  • Die Veranstaltung von Tagungen zum Studium bestimmter islamrechtlicher Themen.
  • Die Herausgabe von Verlautbarungen, sowie die regelmäßige und unregelmäßige Herausgabe von Fatwas, wie auch die Übersetzung der Fatwas, Forschungsarbeiten und Studien in die europäischen Sprachen.
  • Die Herausgabe einer Zeitschrift im Namen des Council, in welcher eine Auswahl an Fatwas, Forschungsarbeiten sowie Studien veröffentlicht werden, die der Council diskutiert oder seine Ziele erreichen lässt.

 

Die Quellen der Fatwa und ihre Regulierungen:

Der European Council for Fatwa and Research stützt sich in der Herausgabe einer Fatwa auf Folgendes:

 

  1. Die Quellen der islamischen Rechtssprechung, über die es bei der Allgemeinheit der Umma (islamischen Gemeinschaft) Übereinkunft gibt. Diese sind: Der Koran, die Sunna, der Konsensus (Iǧmāʿ), sowie der Analogieschluss (Qiyās).
  2. Die Quellen der islamischen Rechtssprechung, über die Meinungsverschiedenheit gibt, wie den Istiḥsān, Al-Maṣlaḥa al-Mursala, Sadd Aḏ-Ḏarāʾiʿ, Al-Istiṣḥāb, Al-ʿUrf, Maḏhab Aṣ-Ṣaḥābī und Šarʿ man qablanā. Dies unter der Berücksichtigung ihrer jeweiligen Voraussetzungen und Regeln, welche bei den Gelehrten bekannt sind. Dies ist besonders dann der Fall, wenn sich in dieser Hinzuziehung ein Nutzen für die Umma befindet.

 

Ebenso stützt sich die Methodik des European Council auf:

 

  • Die Betrachtung der vier sowie der anderen Rechtsschulen als ein gewaltiges Rechtserbe. Von dieser wird dann jenes auserwählt, dessen Beweis richtig und dessen Nutzen deutlich ist.
  • Die Berücksichtigung der korrekten Beweisführung in der Fatwa, der Verweis auf die anerkannten Quellen, die Kenntnis über die spezielle Situation sowie die Berücksichtigung der Erleichterung.
  • Die Pflicht der Berücksichtigung der islamischen Zielsetzungen, sowie die Vermeidung jeglicher verbotener Rechtskniffe (Al-Ḥiyal Aš-Šarʿiyya), die der Verwirklichung der islamischen Zielsetzungen zuwiderlaufen.

 

Die Art der Herausgabe der Fatwas und Beschlüsse:

Die Fatwas und Beschlüsse werden im Namen des Council in seinen regelmäßigen sowie außerplanmäßigen Konferenzen herausgegeben. Dies geschieht bei Möglichkeit durch Konsens der Anwesenden, oder aber der „absoluten Mehrheit“. Es steht dem Opponenten oder dem sich Enthaltenden der Mitglieder dann zu, seine Opposition schriftlich festhalten zu lassen, und zwar entsprechend der bei den Fiqh-Gremien anerkannten Regeln.

 

Die Gründungssatzung schreibt ausdrücklich vor, dass es weder dem Vorsitzenden des Council noch irgendeinem seiner Mitglied zusteht, Fatwas im Namen des Council herauszugeben, sofern der Council nicht selbst dieser zustimmte. In allen steht es zu, auf persönlicher Ebene eine Fatwa zu erteilen, ohne diese Fatwa aber in direkten Zusammenhang mit seiner Mitgliedschaft im Council zu bringen, oder dass er sie auf die offiziellen Papiere des Council schreibt.

 

Die Mitgliedschaft:

Die Gründungssatzung schreibt ausdrücklich vor, dass ein Mitglied die folgenden Voraussetzungen zu erfüllen hat:

 

  1. Über eine universitäre Qualifikation im Islamischen Recht verfügt, oder dass es zu denen gehört, die an den Kreisen der Gelehrten für lange Zeit regelmäßig teilnahmen und von ihnen qualifiziert wurden. Auch muss das Mitglied über Kenntnisse der arabischen Sprache verfügen.
  2. Für eine gute Lebensführung und für die Einhaltung der islamischen Rechtsbestimmungen und Charaktervorschriften bekannt ist.
  3. In Europa ansässig ist.
  4. Das Verständnis des Islam sowie die Kenntnis über die Realität vereint.
  5. Die absolute Mehrheit der Mitglieder seiner Mitgliedschaft zustimmt.

Ebenso schreibt die Gründungssatzung vor, dass es den Mitgliedern zusteht, einige Gelehrte für die Mitgliedschaft im Council von außerhalb Europas auszuwählen. Sie erfüllen damit alle genannten Voraussetzungen mit Ausnahme der dritten. Dies ist dann statthaft, wenn die absolute Mehrheit der Mitglieder dem zustimmt, unter der Bedingung, dass ihr Anteil nicht einem Viertel der Mitglieder übersteigt.

In der Auswahl der Mitglieder soll die Repräsentanz der europäischen Länder berücksichtigt werden, in denen die Muslime eine deutliche Existenz innehaben. Ebenso soll in der Auswahl die Repräsentanz der unterschiedlichen islamischen Rechtsschulen berücksichtigt werden. In der Nominierung zur Mitgliedschaft im Council wird eine Empfehlung von drei bekannten und vertrauenswürdigen Gelehrten gefordert.

 

Das regelmäßige Treffen des Council:

Die Gründungssatzung des Council schreibt ein regelmäßiges, jährliches Treffen ausdrücklich vor, welches von seiner allgemeinen Versammlung abgehalten wird. In diesem findet eine Diskussion der ihm vorgestellten Forschungsarbeiten in den unterschiedlichen Themen statt, welche die Bedarfe der muslimischen Minderheit in Europa betrifft. Ebenso gehört die Beantwortung der Fatwa-Ersuchen dazu, welche einer gemeinschaftlichen Beantwortung bedürfen.

 

Die Gründungssatzung erlaubt dem Council, Experten zu Rate zu ziehen und diese zu der stattfindenden Konferenz einzuladen. In dieser wird vorgetragen, was mit ihrem Fachgebiet zusammenhängt, allerdings ohne Zuerkennung der Abstimmungsrechte ihnen gegenüber.

 

 

Die dem Council angehörigen Zweig-Ausschüsse:

Aus Berücksichtigung der zeitlichen Distanz des regelmäßigen Treffen des Council, seiner Beschäftigung in diesen mit den wichtigsten Angelegenheiten, seiner Absicht darin, den Bedarf der Allgemeinheit der Muslime in Europa zu decken und die schnelle Beantwortung ihrer Fatwa-Ersuchen, hat der Council in seiner zweiten Konferenz befunden, zwei Zweig-Fatwa-Ausschüsse zu gründen: Einer in Frankreich und ein weiter in Großbritannien. Sie beide haben seit jenem Zeitpunkt mit ihrer Arbeit begonnen. Ferner hat der Council einen Ausschuss für Forschungsarbeiten und Studien gegründet, welche als Aufgabe die Herausgabe der Zeitschrift des Council innehat. Auch kümmert sich dieser Ausschuss um jene Forschungsarbeiten und Studien, die dem Council in seiner Herausgabe seiner Beschlüsse und Fatwas helfen. Ebenso hat er einen Dialog-Ausschuss in Frankreich gegründet.

 

Und Allah allein ist der Walter des Erfolgs.